Sonntag, 17. März 2013

Jamaika 2011 Teil 3

5. Mocking Bird Hill

Wir hatten uns inzwischen mit der Zicke „never lost“ auf einen Waffenstillstand geeinigt, was hieß, wir fuhren grundsätzlich nach ihren Anweisungen, aber mit gelegentlichen Korrekturen Dank der Karte. Das funktionierte super. Wirtschafts- oder Waldwege haben wir ab diesem Zeitpunkt nur noch von weitem gesehen. Die Fahrt nach Mo-Bay war toll. Schöne Landschaften, niedliche Dörfchen, Früchtestände am Straßenrand für einen Stop, aber ab Mo-Bay nur noch Beton und nichts, was an eine hübsche karibische Insel erinnerte. Wir sahen zu, dass wir weiter kamen.

Ab Ocho Rios wurde zwar die Landschaft wieder schöner, aber so richtig heimelig wars auch nicht. Das wurde es erst wieder weiter Richtung Osten. Unsere Mammut-Tour bescherte wieder eine Nachtfahrt und dieses mal eine improvisierte Übernachtung bei Port Antonio. Unser Smartphone zeigte ein paar Empfehlungen, die wir nicht fanden oder einfach nicht interessiert genug suchten. Also folgten wir einer Tafel, auf der Mocking Bird Hill stand. Das Mobile verhieß eine luxuriöse und ökologisch geführte Unterkunft mit internationaler Küche. Auf gings! Wir folgten im Dunkeln dem Wegweiser auf einen Hügel. Und da waren sie wieder, die unsäglichen Schlaglochpisten! Meine Güte! Das nächste Mal mit einem Jeep. Aber inzwischen waren wir beide geübt, unsere Limo durch alle Krater zu manövrieren. Ja, wir fuhren eine Limosine! Wir hatten ein unerwartetes Upgrate erhalten für den eigentlich völlig ungeeigneten Wagen, aber wir fanden das Ding super.

Am Hotel angekommen, sah es vom Parkplatz zunächst relativ unspektakulär aus, doch die Inhaberinnen , mit internationaler Kocherfahrung und Teilstudium in Bonn, überredeten uns umgehend zu einer Hausinspektion und das Zimmer war gebucht. Wieder keine ganz preiswerte Angelegenheit, aber daran hatten wir uns hier schon fast gewöhnt. Aber das Anwesen war den Preis wert! Wir hatten ein traumhaftes Zimmer. Groß, wunderschön eingerichtet, nach vorn offen und nur mit Holzlamellen in den Fenstern versehen, die je nach Winkel Luft und Sonne herein ließen oder eben nicht.

Mocking-Bird

Man hatte das Gefühl, quasi draußen zu schlafen. Moskitonetze über dem Himmelbett machten es auch wirklich angenehm, denn da hüpfte schon mal ein kleiner Frosch und wer weiß was noch durchs Zimmer. Vor der Fensterfront eröffnete sich der Blick auf den mit großen Windlichtern beleuchteten Pool und den dahinter liegenden verwunschenen Garten. Die im Restaurantbereich angebotene Speisekarte ist nicht sehr lang, dafür sind die Gerichte absolut exquisit und frisch.

gut-bewacht

Auf weiteren Etagen fanden wir eine Bar und eine kleine Terrasse auf dem Dach mit Blick auf das Meer über die bewaldeten Hügel. Geschlafen haben wir so gut wie nie und geweckt wurden wir von Geräuschen, die wir sonst nur aus den Urwäldern dieser Welt kannten. Unverschämt schön!

6. Marc

Dennoch zog es uns am nächsten Tag aus der luxuriösen Abgeschiedenheit zur Long Bay - auch wenn das Hotel mit diversen interessanten Ausflügen warb. Und wieder fanden wir die im Internet erwähnten und von Mitstreitern geprüften Pensionen nicht. Nach der dritten Runde am Strand von Long Bay und Standing Ovations der dort sitzenden Einheimischen, die sich womöglich in einem Flashback wähnten, entschieden wir uns der bewährten Methode eine weitere Chance zu geben und folgten einem Schild mit der Aufschrift „Pimento Lodge“. Das klang vielversprechend und schon waren wir wieder auf einem holprigen Berg mit nur zu erahnendem Schotterweg unterwegs. Irgend wie hatte das System... Als das Schild uns dann noch über eine mit riesigen Steinen gespickte Rasenfläche nach links dirigierte, wollte ich streiken - immerhin saß ich am Steuer (Übrigens von der örtlichen Polizei in einer Kontrolle auch trotz fehlendem internationalen Führerschein unbehelligt!). Aber Iwi zeigte auf das schon zu erkennende große Eingangstor und war trotz meines Einwandes, es sei doch ein Bauzaun, unerbittlich. Blöde Beifahrer!

Und dann standen wir vor dem BAUZAUN, der mit einer Kette zugeknotet war. Doch Iwi war im Entdeckermodus: „Da hinten sind Leute. Ich höre doch Stimmen und Baugeräusche...“ „Baugeräusche?“ kreischte ich fast ... was wollen wir auf ner Baustelle?“ Doch Madam war längst aus dem Wagen, machte sich an der Kette zu schaffen und öffnete das Tor. Auch mein letztes Argument „Was ist, wenn die hier Hunde haben?“ prallte an ihr ab und ich musste mit auf den Bau.

Piemento

Nach den ersten vorsichtigen Schritten in das weitläufige Areal eröffnete sich der Blick auf vier bis fünf 2-etagige Häuser, die in den Fels gebaut waren. Sie waren mit Treppen verbunden, da sie alle auf unterschiedlicher Höhe standen. Jede der Etagen war ein Gästezimmer ... oder wohl eher Suite - mit riesigem Balkon. Einzig der Pool und die davor befindliche Bar waren noch im Bau, boten aber einen ganz netten Blick aufs Meer. Die Anlage war bildschön, sehr neu und gepflegt. Und Iwi behielt Recht. Wir trafen auf den Eigentümer, der selbst am Pool werkelte. Er stellte sich als Marc vor und ... er sprach perfekt deutsch!!! Marc war irgend was weit über 50, quietschfedel und hatte mehr als ein Jahrzehnt in Deutschland als Ingenieur gearbeitet. Von dem Ersparten hatte er sich diese traumhafte Anlage gebaut, das Meiste sogar in Eigen-leistung. Wir waren stark beeindruckt, denn die Suiten ließen keinen Wunsch offen - Kühlschrank, Fernseher (Ich werde nie verstehen, was Leute mit nem Fernseher im Urlaub wollen. Ich persönlich habe in anderen Ländern vor der Tür das beste Programm.), Sitzecke, riesiges Bett, Moskitonetze etc. Wir buchten und Iwi, die alte Krämerseele verzichtete für einen Rabatt auf die Frühstücksoption, überzeugte Marc dann aber, dass mindestens ein morgendlicher Kaffee inklusive sein muss! Wir waren die einzigen Gäste und so bekamen wir zusätzlich Dauerbetreuung.

Am nächsten Morgen erzählte Marc von seinen tollen Kochkünsten ... Gäste, könnten auch Vollpension buchen und wären immer zufrieden gewesen ... Aber die Sache entwickelte sich anders, als er dachte. Im Laufe des Gespräches wurde die Atmosphäre irgend wie familiär. Dann war klar, einheimische Küche wollen wir auch und zwar bei ihm. Also schrieb er uns einen Einkaufszettel und wir versprachen jede Zutat zu besorgen, wenn er mit uns Abends jamaikanisch kocht.

Blaue-Lagune

Mit dem Zettel fuhren wir dann, nach einem kurzen Abstecher in die für meinen Geschmack mehr als langweilige Blaue Lagune, auf den Markt von Port Antonio. Über den waren wir bereits am Vortag gegeistert und erfreuten die Marktladies. Dass wir von der Hälfte der Zutaten auf der Liste noch nichts gehört hatten, fanden die ziemlich lustig, behielten uns dann aber im Auge, bis wir alles zusammen hatte. Sehr süß und hilfsbereit!

Markt

Obwohl nicht alle nett waren: Iwi probte den Aufstand, als uns ein Typ anzählte und nicht aufhörte zu beschimpfen. Angeblich hätten wir ihn an seinem Stand nicht besucht, obwohl er uns gestern doch eingeladen hätte. Der Typ pöbelte sich so hoch, dass er mehrfach laut über den Markt „fuck you!“ schrie und Iwi trocken antwortete „Fuck yourselfe“ ... Nach der Antwort brach ein junges Mädel fast vor Lachen zusammen und wir hatten viele neue Freunde...

Zurück bei Marc enterten wir seine Küche. Wir fungierten bei den Vorbereitungen als Schnippelkräfte und seine Kochkünste waren, wie versprochen, exzellent. Wir waren drei Nächte dort und sind mit Marc noch auf einer der typischen Straßenparties unten am Strand gelandet. Die finden vor irgend einer Bretterbude statt, in der man Getränke ordern kann, ein findiger Autobesitzer fährt vor und dann werden zwei bis drei riesige Boxen auf das Autodach geschnallt, an die Batterie der Kiste angeschlossen und schon geht die Party ab. Einer der Gäste fragte uns, als wir einfielen: „Ihr seid mit Marc hier, oder?“ und als wir bejahten, nervte definitiv keiner ... Tanzen und Trinken mit Marc, unserem Schutzengel.

Allerdings nervte ich am letzten Strandtag. Es gab einen Strandimbiss, in dem wir öfter waren ... Nichts dolles aber die Leute waren ganz nett. Insbesondere die Bedienungen. So gab mir eine der Ladies mal einen Hunderter mit der Ermahnung zurück, besser aufzupassen. Die Hunderter sähen aus, wie die Zehner und den hätte ich nur zahlen müssen. Ich war beschämt ob meiner blöden Vorurteile!

Containerbar

Die meisten Bars waren zum Teil aus diesen Standard-Cargo-Containern gebaut. Da wurden dann nur ein oder zwei Fensterlöcher reingeschnitten und schon war der Imbiss oder die Bar fertig. Und auch dort am Strand war so ein Ding in den Bau integriert. Allerdings hatte sich darauf ein Künstler mit einem Marley Portrait verewigt und seine Telefonnummer hinterlassen. Ich bin passionierte Gemälde-Sammlerin. Dabei entscheidet aber nur mein Verständnis von schön, so dass einige der bisher erstandenen Gemälde wohl dem Anspruch eines „Kenners“ nicht genügen würden. Doch für mich sind die Bilder aus meinen Reiseländern immer mit einer Geschichte verbunden, die sich meist aus der Jagd nach ihnen ergibt, womit sie einen hohen ideellen Wert für mich bekommen. Und ich brauchte selbstverständlich ein Gemälde aus Jamaika. Iwi kannte mich schon so lange, dass sie wusste, ich verlasse die Insel nicht ohne! Also telefonierte die Bedienung dem Künstler hinterher. Der war aber irgend wo verhindert. Angeblich in einer Auftragsarbeit ... Vielleicht auch stoned auf irgend einer Terrasse, aber sie erklärte, dass sie einen anderen Maler kennen würde. Der wurde angefordert und erschien auch tatsächlich mit ein paar Rollen am Strand. Ich wurde fündig und alle waren glücklich.

Jamaika 2011 Teil 2

3. Abfahrt zum Jake`s

Nachdem wir uns erst einmal im absoluten Luxus des Strawberry Hills mit Überlaufpool, aus dem man ebenfalls einen passablen Blick auf Kingston und das Meer genießen konnte, akklimatisiert hatten, wagten wir das Abenteuer Mietwagen. Doch als der Mensch des Verleihers 1.500 Euro Kaution abrief und mit uns jede und wirklich jede Schramme zählte, wurde mir langsam Angst.
Auch zum Thema Mietwagen gab es unzählige Reisewarnungen. Angefangen mit: überhaupt nicht auf eigene Faust zu reisen, schon gar nicht mit dem Wagen, wegen der Straßenverhältnisse, der Kriminalität, des Linksverkehrs und diverser anderer Horrorszenarien. Sollte man dann schon entgegen aller Warnungen trotzdem ein Fahrzeug mieten, dürfte man auf gar keinen Fall von den Hauptstraßen abweichen, um Gottes Willen nicht bei Nacht fahren und alle möglichen Versicherungen abschließen. All das im Hinterkopf mieteten wir noch ein einheimisches Navigationsgerät mit dem bezeichnenden Namen “never lost“, obwohl ich wie immer mit allen möglichen Karten ausgerüstet war. Dafür war dann eine weitere Kaution fällig und mir kam der Gedanke, dass eine Taxirundfahrt durchaus preiswerter wäre, wenn auch nur irgend eine Schramme hinzukäme oder „never lost“ verloren ginge ...

Da nur Iwi den internationalen Führerschein vorweisen konnte, der angeblich Voraussetzung für das Fahren auf Jamaika war, startete sie als erste Fahrerin in Richtung Treasure Beach an der westlichen Südküste. Wir hatten gelesen, dass das Jakes eine schöne Bungalowanlage an super Stränden sei.

Die erste Hürde, die wir meistern mussten, hieß „never lost“. Selbsterklärend war dem Ding jedenfalls fremd. Kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehend, hatten wir die Navi dann doch noch bezwungen und programmiert. Doch das blöde Ding rächte sich umgehend und führte uns bereits kurz nach Spanish Town von der Autobahn auf die Landstraße. Gut, man sollte zwar die Hauptstraßen nicht verlassen, aber so sahen wir halt auch was von den Ortschaften, die wir passierten und wie eine Hauptstraße sah es noch irgend wie aus. Aber wir hatten die Rechnung nicht mit „never lost“ gemacht. Hinter der nächsten größeren Ortschaft gings ab auf Seitenstraßen. Nachdem dann der Asphalt aufhörte, wurde uns doch mulmig. Nicht dass die Straßen vorher durchgehend asphaltiert waren - vielleicht einmal vor 50 Jahren - aber jetzt gab es nur noch Schotterpiste und wir beide sahen unsere Kaution wie die kleinen Schottersteinchen davon fliegen ... Und dann wurde die Schotter-piste zu einem buckligen Ackerweg mit tiefen Regenfurchen und Löchern, gesäumt von Gebüsch.

Offroad

Teilweise waren es nur noch zwei Spuren durchs Gebüsch. Das letzte Haus hatten wir vor Kilometern hinter uns gelassen, doch „never lost“ zeigt unbeirrt weiter den Weg in die Prärie. Ich versuchte inzwischen mit der Karte herauszufinden, wo wir überhaupt waren, als Iwi abrupt stehen blieb und an der nächsten Kreuzung verweigerte. Vor uns lag ein abschüssiger Dreckstreifen, der die Straße sein sollte und so mit Löchern übersät war, dass auch ich davon überzeugt war, dass wir unser Auto da nie durchbekommen. Und ich habe in meiner Vergangenheit schon so einige Buckelpisten überstanden.
Also probten wir den Aufstand gegen „never lost“ und fuhren geradeaus, statt wie befohlen rechts abzubiegen. An jeder Kreuzung - äh, wohl eher Abzweigung auf andere Wald- und Ackerwege - versuchte das Biest uns zurück auf den unpassierbaren Pfad zu bringen, doch wir fuhren nach Gefühl weiter geradeaus. Wir hatten inzwischen einen ungefähren Verdacht, dank der Karte, wo wir waren und folgten einer dicken Pipeline am Rande des Weges. Denn Pipeline bedeutet Industrie und damit auch Anfahrtswege... Wir hatten uns nicht getäuscht, der Weg war inzwischen sogar teilweise mit Flecken von Beton befestigt, die wir aber aufgrund der dicken Löcher darin zu umschiffen versuchten. Und dann gab es tatsächlich das erste Schild nach einer gefühlten Ewigkeit. Beim Näherkommen lasen wir: „Bump“... Gut, Löcher gab es hier viele, aber eines mit Ansage? Wir wurden vorsichtig und tatsächlich handelte es sich um eine so unmögliche Auswaschung, dass wir diese nur schräg ein- und ausfahrend meistern konnten, ohne aufzusetzen. Dadurch landeten wir allerdings im Gebüsch am Wegesrand, was uns die ersten Schrammen bescherte. Bump´s kamen nämlich noch einige. Und dann wurde es auch noch dunkel...

Iwi war nach der langen Fahrt und den Strapazen völlig durch, klammerte sich aber eisern am Lenkrad fest und wollte nicht tauschen. Also navigierte ich mit und gegen „never lost“ weiter und so gegen 22:00 Uhr standen wir tatsächlich vorm Jake´s!

4. Treasure Beach

Dann die schlechte Nachricht: Es gab erst übermorgen wieder Zimmer! Nach kurzer Fassungslosigkeit sahen wir weitere Hotels neben dem Jake´s. Das nächste hatte dann Gott sei Dank Zimmer, warnte uns aber vor morgigem Lärm bis in die Nacht, da man eine Hochzeitsgesellschaft erwarten würde.
Großartig! Eine jamaikanische Hochzeit mit Reggae und Tanz bis in die Nacht? Das wollten wir sehen und buchten ein Zimmer in der oberen Etage. Die hatte eine Art Gemeinschaftsterrasse, so dass man auf den Pool- und morgigen Party-Bereich schauen konnte. Das Zimmer war muffig und das Hotel nicht wirklich Klasse, aber egal, wir wollten die Feier.

Am nächsten Tag vertrieben wir uns die Zeit mit einem kurzen Strandcheck und einem Ausflug nach Alligator Pond. Die Ortschaft war ziemlich verschlafen und wenig beeindruckend. Man hätte zwar Ausflüge auf dem Fluss zu Krokodilen buchen können, doch uns war nach Hochzeit. Also fuhren wir zurück und inspizierten interessiert die Vorbereitungen. Der Pool war inzwischen mit riesigen Boxen, langen Tischen und Bänken gesäumt und die ersten Gäste kamen. Wir verdrückten uns auf die Terrasse, mussten aber enttäuscht feststellen, dass der offensichtlich beauftragte Wedding Planner es schaffte, jede aufkeimende Stimmung im Ansatz zu ersticken. So wie auch nur mehr als einer der Gäste anfing, sich im Takt der Musik zu bewegen, traktierte sie die Gäste und das Hochzeitspaar mit den unmöglichsten Bräuchen, Spielen und Treue-Testfragen. Eine langweiligere Veranstaltung habe ich noch nie gesehen. Da half nur eins, wir plünderten die Biervorräte des Hotels und gingen früh schlafen.

Einzug im Jake´s! Endlich bekamen wir ein Zimmer in einem schönen Bungalow mit Blick aufs Meer. Meine explizite Nachfrage, ob der Blick aufs Meer auch einer sei, wurde mit Unverständnis honoriert. Doch die Frage war nicht unberechtigt. Im Nachbarhotel bot man uns ein Zimmer mit Meerblick, bei dem man den Hals aus einem Seitenfenster heraus verrenken musste, um überhaupt Meer sehen zu können. Doch das Jake´s war klasse. Wir hatten sogar eine kleine Terrasse für uns mit zwei Liegen und Blick aufs Wasser. Es gab einen kleinen Restaurant- und Barbereich, etliche Freizeitangebote bis hin zum Mountainbiken ... alles in allem sehr schön!

Treasure-Beach

Hinter dem abgezäunten Bereich der Anlage des Jake´s lag eine kleine süße Bucht mit ein paar Booten und einer Strandbar nach meinem Geschmack!

Beach-Bar

Sie sah aus, wie aus Treibholz zusammengezimmert, schilfgedeckt und Anlaufpunkt von ein paar Einheimischen und Touristen gleichermaßen. Viele Touristen gab es allerdings nicht, so dass es ein hübscher entspannter Mix aus netten Leuten war.

Es gab noch zwei kleinere Hotels mit Bar am Strand, doch die Holzhütte bot alles, was man brauchte. Hier hingen wir entspannt ab und buchten auch direkt bei einem der anwesenden Piraten eine Bootstour für den nächsten Tag. Wir hatten von einer weiteren Treibholzbar gelesen, der sagenumwobenen Pelikan-Bar, die mitten im Meer liegen sollte.

.......

Achja, mal so als Einschub: Jamaika ist übrigens auch ein hübsches Plätzchen für Leute die kaum englisch sprechen. Gefühlt jeder Dritte Jamaikaner spricht deutsch!! Das mussten wir am Abend in der Bar vom Jake´s erschreckt feststellen. Also Vorsicht Lästerbacken!! Nachdem wir uns bei der Anfahrt zum Jake´s bereits sämtlichen Verhaltensanweisungen widersetzt hatten, mussten nun auch noch ein paar Vorurteile über Bord. Angebaggert wurde wir hier weniger als in Deutschland. Und wenn, war es eher lustig. So taumelte in Jake´s Bar ein älterer Angestellter - der betrunken in der Bar schlief - nach jedem kurzen Aufwachen auf die blonde Iwi zu und röhrte mit tiefem Bass: „I´m in a daaancing mood!“ während Madam davon stürmte und er verdutzt versuchte sein Opfer auszumachen, darüber aber wieder einschlief. Auch Drogen hat man uns nirgends angeboten. Tatsächlich haben so einige Einheimische neben uns alles mögliche geraucht. Aber auf unsere Nachfrage, was es denn mit dem Klischee so auf sich habe, erläuterte man uns, wir würden nicht so aussehen, als wollten wir was. Die haben uns allen ernstes in der Strandbar gefragt, ob es uns stört, wenn sie neben uns einen Rauchen! Also alles wie immer: Auf das Auftreten kommt es an. Die Herrschaften dort haben Manieren, wie viele anderen Menschen auch auf der Erde und Ausnahmen und Verrückte gibt es auch in Deutschland. Amen.

.......

Am nächsten Morgen waren wir jedenfalls pünktlich am Strand und wurden in einem Fischerboot mit weiteren vier Touri´s verstaut, die der Pirat irgend wo aufgegriffen hatte. Dann gings los. Gott sei Dank hatten die Jungs einen ziemlich kräftigen Motor und wir stürmten derart aggressiv über die Wellen, dass mir vor Angst nicht mal mehr schlecht wurde. Ich werde super schnell seekrank und das selbst in einem gelben Gummiboot auf der spiegelglatten Ostsee, wie ein Freund feststellen musste. Wie damals zurück schwimmen ging hier eher schlecht, daher zog ich die aggressive Fahrweise einer Dümpeltour vor. Begleitet von Delfinen erreichten wir die Bar, die tatsächlich auf einem kleinen Riff vor der Küste erbaut war, in ca. 50 Minuten.

Pelikan-Bar

Das runde moderige Gerippe war ebenfalls schilfgedeckt und war bereits mit Touristen und zahlreichen anderen Kuriositäten vollgestopft. Die Bar war ziemlich frequentiert und bot neben geschnitzten und gestrickten Mitbringseln auch minimale warme Küche. Wollte man vor Ort essen, wurde der Fisch bereits vom Boot auf dem Weg zur Bar bestellt. Bei Ankunft wartete der dann fertig zubereitet in der Bar. Da ich allerdings wenig Lust auf gekochten Fisch und rumsitzen mit anderen Touristen hatte, verbrachte ich fast die gesamte Zeit außerhalb der Bar auf dem Steg. Das Wetter war prima und im kristallklaren Wasser zeigte sich alles mögliche Getier, bis hin zu einem ganz passablen Rochen.

Pelikan-Bar-1

Alles in allem war der Bootsausflug so cool, dass wir am nächsten Tag noch mal auf Delfin-Sightseeing gehen wollten. Unsere Anfrage beantwortete der Pirat vom Vortag mit: „wenn ihr keinen Gummi-Delfin auf die Tour mitbringt, sehen wir keine!“ So! Da verrauchte das letzte Klischee, an dass ich mich noch geklammert hatte. Nicht mal übers Ohr wollten uns die Jungs hauen! Was ist bloß aus den alten Piratenkodizes geworden?

Also fuhren wir zu Lovers Leap, einer hohen Klippe mit einer dramatischen Liebeslegende. Es war ein hübscher Ausflug, nur der Leuchtturm war wegen Baumaßnahmen geschlossen. Also entspannten wir den Rest des Tages an unserem Strand. Morgen sollte es nach Norden in Richtung Mo-Bay gehen und dann von dort direkt nach Ocho Rios. Wir wollten nicht wirklich nach Negril und Mo-Bay, da man in den Touristenzentren wenig vom wirklichen Leben mitbekommt und wahrscheinlich die Klischees wieder aufbaut, also fragten wir nach einer hübschen Empfehlung für Ochi im Jake´s. Die Bedienung des Restaurants winkte ab und erklärte, dass morgen ca. 5.000 Kreuzfahrttouristen über Ochi herfallen würden, weil man Luxusliner XY erwarten würde und so disponierten wir um. Um so viel wie möglich von der Insel zu sehen, fuhren wir zunächst wie geplant nach Nord-Westen, eben die Route Richtung Mo-Bay und dann an der Nordküste nach Osten an Ochi vorbei und weiter ... bis vielleicht zur Blauen Lagune.

Jamaika 2011

1. Kingston

„Wolln wir tauschen?“ fragte ich Iwi, als wir nach bereits fast 20 Stunden Flug von Hamburg und mehr als 5 Stunden Aufenthalt in Miami in den Flieger kamen. Wir hatten zu lange am Ocean Drive gesessen und so nur noch Einzelplätze zwischen anderen Passagieren für den Flug von Miami nach Kingston erhalten. Auf mich wartete ein Mittelplatz zwischen einem ca. 2 Meter großen und ziemlich stämmigem jamaikanischen Farmer und einem amerikanischen Inspektor mit HSV-Baseball Cap.

Doch die kleine Kröte grinste und steuerte auf ihren Platz neben einem dürren amerikanischen Jüngling zu.

Ich ergab mich in mein Schicksal, atmete so tief wie möglich aus und quetschte mich zwischen die Herren. Während ich der Evolution zur sprunghaften Weiterentwicklung verhelfen wollte und auf Hautatmung machte, stellten sich die Herrschaften als ziemlich unterhaltsam heraus. Der Inspektor war häufiger in Hamburg, da er für den Germanischen Lloyd die Sicherheitstechnik an Bord von Containerschiffen überprüfte. Daher auch das fragwürdige Andenken auf seinem Kopf. Vom Farmer auf Fußball angesprochen, meinte er, er würde seinem Job gemäß nicht mehr spielen, sondern nur noch inspizieren. Ich verzieh ihm den Fauxpas in Sachen HSV. Allerdings nicht, ohne ihn noch einem kurzen Fan-Crashkurs zu St. Pauli zu unterziehen.

Nach über einer Stunde im Flieger bekamen wir endlich die Starterlaubnis, während ich mich bereits mit den beiden mehr als verbunden fühlte - und das eigentlich auch in physischer Sicht, die ich hier nicht weiter erläutern will. Nur soviel, bei der Hitze und der Enge befürchtete ich, sie müssen uns nach der Landung aus den Sitzen schneiden und die siamesischen Drillinge in einer mehrstündigen OP trennen.

Doch als ich mich irgend wie aus dem Sitz befreit hatte und Iwi sah, wusste ich, das Leben ist doch gerecht! Ihr hämischer Blick zu meinen anfänglichen Sitztausch-Avancen wurde mit einem missionierenden Sitznachbarn belohnt. Das blasse Bürschchen hatte das bayrische Girl während der gesamten Zeit davon überzeugen wollen, dass ausschließlich seine Interpretation des christlichen Glaubens von Belang sei und unbedingt in die Welt getragen werden müsste, auch wenn er bisher nichts als sein kleines amerikanisches Dorf gesehen hatte. Diese Ungewissheit und möglichen Strapazen seien eine Prüfung des Herrn, die er gern in Kauf nehmen würde ...

Offenkundig wurde der Kerl wirklich von einer höheren Macht beschützt. Hätte Iwi die Plätze getauscht und ich hätte die missionarischen Gehversuche des irren Provinzlers ertragen müssen, währe seine unversehrte Ankunft am Ziel nicht wirklich sicher gewesen.

2. Strawberry Hills

Endlich angekommen griffen wir das erst beste Taxi und fuhren zum bereits für zwei Nächte gebuchten Strawberry Hills, dem ehemaligen Geschäftssitz des legendären Labels Island Records, bei dem auch Marley unter Vertrag war. Die Nummer sprengte zwar bereits am Anfang der Reise das geplante Budget, aber hallo?! Island Records, Marley .... Das war Kulturrecherche und Bildung kostet nun mal!

Die Serpentinen hoch in die Berge bekam Iwi allerdings nur im Traum mit. Sie schlief fest und ich glaubte zu träumen, als wir über die Schlaglochpiste an steilen ungesicherten Abhängen vorbei holperten und unser Fahrer das alles mit einem Tempo meisterte, das vermuten ließ, dass er tief religiös war und seinem Schutzengel häufig huldigte... Aber man hatte uns ausführlich bezüglich der Fahrbahnverhältnisse gewarnt. Wie die Zustandsbeschreibungen der Straßen hielt das Hotel seine Versprechungen, allerdings in sehr angenehmer Weise. Ich war über unseren kleinen Bungalow völlig hingerissen.

Bungalow

Er hing quasi am Hang und bot von seinem Balkon eine grandiose Aussicht auf Kingston. Das wollte ich mit einem Red Stripe genießen. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne Patois gemacht. Mit Dialekten habe ich schon in Deutschland so meine Schwierigkeiten und nun sollte meine Bierbestellung an „Jaaa maaaan“ scheitern. „IWI!!!!!!!!!“ Das einzige was ich verstand, war, dass die Bar angeblich zu hätte und so blieb mir nur die Geheimwaffe: Wir schlugen mit bayrischem Englisch zurück!

„Sie bringen dir dein Bier her!“ ... „Was? Das wars, was sie mir die ganze Zeit erzählen wollten?!“ „Ja“ ... Hmmm, egal, Hauptsache ich bekam mein Bier.

„Sag mal, ist dein Bett auch gewärmt?“ Iwi setzte zum Sprung an - jamaikanische Betten sind äußerst hochbeinig - und erklärte locker: „Jup!“ Es gab eine mit Timer gesteuerte Bettheizung! Absolut sinnvoll bei der für Jamaikaner unsäglichen nächtlichen Kälte von nur ca. 21 - 22 Grad hier in den Blue Montains ...

Strawberry-1

Strawberry-Hills

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