Dienstag, 19. März 2013

Jamaika 2011 The End

7. slow motion in den Blue Mountains

So schön es bei Marc war, wir wollte in die Blue Mountains und die Kaffeefabrik von Mavis Bank sehen. Als Kaffeejünger ist ein Besuch einer Rösterei in den Blue Mountains Pflicht! Also verließen wir ihn, nicht ohne Adresstausch sowie einem ernst gemeinten Wiedersehensversprechen und machten uns auf den Weg.

worlds-end

Zur Straßensituation auf dem Weg dahin muss man nicht mehr viel sagen. Es war nach wie vor eine sportliche Herausforderung. Dann irgend wann passierten wir den Ort World´s End und fanden, dass der Name Programm war, im krassen Gegensatz zum Forres Park Resort & Spa, in dem wir unterkommen wollten. Das fast ausschließlich aus Holz erbaute Hotel befand sich inmitten bizarr schöner Berge und Kaffeeplantagen am Rande des kleines Ortes Mavis Bank. Wie es sich den Namen „& Spa“ verdiente, sollten wir allerdings erst nach erheblicher Überzeugungsarbeit herausfinden. Die nette, aber phlegmatisch wirkende Rezeptionistin zeigte uns ausschließlich die kleineren Zimmer in der unteren Etage. Unsere Nachfrage, wie die Zimmer oben denn wären, beantwortet sie kurz mit: „Die bucht sowieso keiner“. Nach einer weiteren halben Stunde Genörgele durch uns, ließ sie sich dazu drängen, uns doch nach oben zu führen und zeigte widerwillig die sogenannte „Jacuzzi-Suite“. Schon aus Protest buchten wir den wirklich einzigen Spabereich des Hotels - obschon das Zimmer fast romantisch schön war und mit einer tollen Aussicht aufwarten konnte - und erlebten die Damen des Hauses in den nächsten Tagen darüber immer noch fassungslos. Bezugsfertig war die Suite dann aber erst zwei Stunden später, da sich eine offenbar in Trance befindende weitere Angestellte auf den steilen Aufstieg begab um uns den bisher nie vermieteten Raum zu säubern. Gott sei Dank hat sie sich dabei nicht zu viel Mühe gegeben, da wir sonst wohl erst am nächsten Morgen hätten einziehen können. Die Zeit vertrieben wir uns mit einer Besichtigungstour im heimischen Garten. Die Inhaber bauen hier viele Zutaten für ihre Küche bis hin zu eigenen Kaffeesträuchern an.

Die geplante Besichtigungstour am nächsten Morgen in der Jablum-Fabrik verpassten wir fast, weil die sich immer noch in Trance befindende Mitarbeiterin den Frühstückskaffee in einer Art meditativer Zeremonie servierte. Sie brauchte für die 15 Meter vom Küchenausgang bis zu uns 5 Minuten - ich schwöre, denn ich habe mitgestoppt. Während Iwi sich an ihrem frischen Orangensaft festhielt und das Schauspiel beobachtete, tröstete sie mich mit den Worten: „Na wenigstens ist das Zeug dann wieder warm, wenn sie hier ist“. Irgend wann hatte ich dank des Kaffees meinen Blutdruck auf Wachmodus angehoben und wir erwischten tatsächlich noch eine letzte Führung durch die Fabrik mit der großartigen Barbara.

Barbara

Barbara war gefühlte 45 Jahre, klein und rundlich und seit vielen Jahren in der Jablum-Rösterei angestellt. Ihren Angaben zufolge hatte sie die 50 Marke aber bereits weit überschritten. Der Job war ihrer Meinung nach unterbezahlt und dennoch zeigte sie Touristen gern für die geforderten 8 Dollar Eintritt „ihre“ Fabrik.

Kaffee-1

Kaffee

Am Anfang uns beiden Frauen gegenüber noch etwas verhalten, wurde sie zunehmend kribbeliger und aufgeschlossener, als sie merkte, dass wir eigentlich ganz nett waren, wir uns im Fabrikgelände aber auch einer gewissen Maschine näherten. Bereits zwei Hallen vorher berichtete sie von diesem Wunder der Technik, in welches die Bohnen oben reingeschüttet, dann gemahlen unten wieder aus der Maschine raus geschüttelt werden. Das Rausschütteln erfolgte über eine Art breites Formblech mit leichter Neigung nach unten, welches den Rutsch des Pulvers noch durch leichte Rechts- und Links-Bewegungen beschleunigte. Diese Bewegung versetzt Barbara offenbar in Begeisterung, denn jedes mal, wenn sie auf diese Maschine zu sprechen kam, ahmte sie intuitiv die Bewegung des Rüttelbleches mit den Hüften nach und geriet so bei ihren Erzählungen in eine Art souligen Bauchtanz. Nachdem wir dann endlich mit „Shaking-Barbara“ - wir fanden, den Namen hatte sie sich wirklich erarbeitet - vor der sagenumwobenen Maschine standen, zeigten wir uns natürlich ihr zuliebe besonders begeistert. Ich glaube, danach mochte sie uns... Als sie uns am Ende der Führung dann noch hocherfreut über die 5 Dollar Tip verschwörerisch zuflüsterte, dass sie davon ihrem Mann nichts abgeben, sondern das Geld allein in einen guten Drink heute Abend investieren wolle, mochten auch wir sie!

Den letzten Abend in Mavis Bank verbrachten wir mit Familienportionen „Jerk Chicken“ - dem Nationalgericht - vom Straßengrill und Red Stripe, dass wir in allen kleinen Läden zusammenstoppeln mussten, weil jeder Laden nie mehr als ein Bier gekühlt bereit hielt.

8. Abschied in Kingston

Der Weg zurück nach Kingston führte uns noch an mehreren angeblichen Attraktionen des Landes vorbei. Einzig die Bambus-überspannten Straßen waren spannend. Die beschworene mehrfarbige Bucht in Yallahs Pond glich einem giftig gelb-braunen Dreckloch und die Umgebung war ebenso trostlos.

Wir hatten noch drei Tage und wollten diese in einem renommierten Hotel, dem Morgans Harbour, bei Port Royal und in Flughafennähe von Kingston verbringen. Das Hotel befand sich auf der zum Teil aufgeschütteten Halbinsel, die den natürlichen Hafen vor der Hauptstadt begrenzte. Der neue Flughafen war ebenfalls auf dieser Halbinsel integriert, so dass man zwar in Flughafennähe, aber dennoch ziemlich cool mit Blick auf die Hauptstadt aus Meeresperspektive residierte. Das Hotel war Kult, da ein Teil eines Bond Klassikers dort gedreht wurde, aber man war auch ab vom Trubel der Stadt und in extrem kurzer Anfahrt zum Flughafen, was sich später noch als sehr wichtig erwies...

Eingegrooved mit „never lost“ fanden wir die Anlage prompt. Der Portier, der uns Einlass durch das Zufahrtstor gewährte, versprach eine Luxusunterkunft nach Bond-Manier ... aber die Anlage selbst hatte ihre besten Tage lange hinter sich - die Preise allerdings nicht. Die in dem halbrunden zwei-etagigen Hauptgebäude untergebrachten Zimmer waren ziemlich abgerockt, die Küche eine Zumutung und immer wehte ein Hauch von Müll an der Wasserseite des Geländes an uns vorbei... Was wirklich schade und nur pure Nachlässigkeit der Betreiber war. So fand sich im Halbrund des Gebäudes ein kleiner normaler und ein Salzwasserpool. Letzterer war lediglich durch ein paar Gitterstäbe zur Bucht getrennt und war grundsätzlich von Plastikmüll bedeckt. Es grenzte eine kleine Marina an, zu der man über das hoteleigene Restaurant und die Bar kam. Beide endeten ebenfalls an der Wasserkante, mit Blick auf Kingston. also wirklich schön, wenn jemand die PET-Flaschen und Plastiktüten eingesammelt hätte...

Marina

Wir checkten trotzdem ein und genossen den Blick auf die Insel mit leichter Wehmut. Doch Iwi erinnerte sich in einem Anflug von Realitätsnähe an die verschrammte Limousine und entschwand mit einem Eimer Wasser. Dank der meterdicken Staubschicht auf dem Wagen hatte ich das abzusehende Desaster verdrängt. Aber nun holte uns die Angst in Höhe von 1.500 Euro ein ... Das Wasser aus Iwi´s Eimer brachte das Unausweichliche zu Tage und sie starrte fassungslos auf den geschundenen Körper unseres blauen Offroad-Wunders. Erst die Hand von Carlos, dem Portier, auf ihrer Schulter riss sie aus der Schockstarre. Er stand plötzlich hinter ihr und erklärte mit fachmännischem Blick auf das Dilemma: „Ich habe ein Boot und hole mal die Politur“ und entschwand ... Gerade als sie wieder in ihre Starre verfallen wollte, tauchte Carlos mit seinem Equipment auf und begann den Wagen zu polieren. Eine halbe Stunde später glänzte die Karre wie neu und hatte definitiv weniger Schrammen als bei der Übergabe!!! IUnd schon rechnete ich mir die Chancen auf eine Bonuszahlung beim Verleiher aus ... CARLOS!! Der Held, der Wunder vollbringen konnte!!! Diesen heiligen Mann haben wir zu Tode getippt! Nein im Ernst, wir haben ein stattliches Trinkgeld gespendet - nicht einmal ein Bruchteil der Kaution - aber so viel, dass er völlig verzückt unser Schutzengel für die letzten Tage wurde.

Wir wollten auf die „Badeinsel“ Lime Cay. Das Hotel erklärte, dass erst morgen wieder Boote gehen und Carlos organisierte innerhalb einer halben Stunde einen Lift dort hin und zurück. Der Lift zurück war nach Ankunft auf der Insel irgend wie nicht mehr so ganz klar, denn die Herrschaften mit dem Boot verschwanden. Kurzerhand knüpfte Iwi intensive Kontakte zu anderen Touristen, um uns in deren Boot zurück an Land zu schleusen! Denn baden auf der „Badeinsel“ war irgend wir für keinen der anwesenden Touristen aufgrund der Gegebenheiten ein Option.

Lime-Cay

Nach der Nummer würde mich bis heute interessieren, ob der baggernde jamaikanische Neureiche, den Iwi für den Rücktransport auserkoren hatte, tatsächlich auf der preisgegebenen deutschen Mobilnummer die Kontaktaufnahme versuchte... es war die Nummer ihres gerade von ihr geschiedenen Exmannes :-) Letztlich tauchte der Rückfahrlift jamaikanisch pünktlich - eine Stunde Verspätung - auf und wir benötigten die Hilfe der anderen Herrschaften nicht mehr.

Am nächsten Tag empfahl Carlos einen Ausflug in nahe liegende Höhlen mit historischen Felszeichnungen der Ureinwohner, da es regnete??!!! Bei Ankunft war die Höhle trotz offizieller Besichtigungszeit erst einmal geschlossen. Wie uns die penetrant herausgeklingelte Mitarbeiterin später erläuterte, weil es regnete ...(?) Von uns und vier weiteren Ausflüglern überzeugt, gewährte man uns trotz der wetterbedingten Widrigkeiten Einlass, versah uns zunächst mit einem Haarnetz und dann noch mit einem modischen Helm. So ausgestattet starteten wir die Tour in den jamaikanischen Hades. Von der ersten Sekunde des geführten Rundgangs an, erläuterte uns die nette Mitarbeiterin, wie gefährlich es hier sei, dass man froh sein könne, Erdbeben zu überleben, die nach ihrer Meinung in den nächsten Sekunden Lawinen von Gesteinsbrocken über uns regnen lassen würden und dass sie ob des fürchterlich gefährlichen Jobs total unterbezahlt sei.

Grotte

Eine kurzes Intermezzo zu den Horrorszenarien gewährte sie im Anblick der unglaublichen Felszeichnungen. Ihren Angaben zufolge - und zugegebener Maßen auch der des zu Rate gezogenen Reisejournals - stritten die Wissenschaftler nach wie vor über das Alter der Zeichnungen, die Bedeutung und die Urheber ... Für unsere ungeübten ignoranten Touristenaugen hatte man sogar einen Holzrahmen über dem mystischen Gemälde angebracht ... und meiner Meinung nach auch die Strichführung nach jedem Regen nachgezogen ... Möchte wissen, welche Bedeutung den elenden TAG-Schmierereien an den S- und U-Bahnen durch Archäologen in hundert Jahren zugeschrieben werden.

Bild

Zurück im Morgans Harbour erinnerte ich mich an zwei Jet-Ski, die ich an der Marina gesehen hatte und zog Carlos zu Rate: „Kennst du die Eigentümer der Jet-Ski?“ Carlos trocken: „Nein, ...... aber den, der die Schlüssel hat!“ Und schon hatten wir zwei leere Kanister im Kofferraum, denn der Deal war, wir beschaffen Treibstoff, geben eine kleine Spende an den Hüter der Schlüssel und er richtet eines der Geräte her. Gesagt getan. Wir fuhren tanken, Carlos übernahm die Kanister, bereitete ein Maschinchen vor und wir machten den Hafen unsicher.

An unserem letzten Abend beendeten wir, was wir am Abend zuvor begonnen hatten: wir quälten die Bedienungen mit unserem Reggae - es lebe das Smartphone - und soffen die Bar endgültig leer. Eine der Kassiererinnen hatte am Vorabend Mut gefasst und mit unserer Hilfe ein kleines Wörterbuch: Patois - Deutsch erstellt. Selbstverständlich war nicht alles stubenrein und die Aussprache musste am nächsten Tag intensiv vertieft werden.

Morgans

Eigentlich sollte die Bar gegen 23:00 schließen, doch alle feierten mit uns bis ... „Ina! Wir müssen!“ ... „Was? Wie spät ist es?“ ... „Vier. Unser Flieger geht in 1,5 Stunden und das Taxi ist in 15 Minuten am Hotel“ ... Ach herje ... und wir hatten noch nicht einmal gepackt...

Zu Bewusstsein kam ich in New York. Meine irritierte Frage, wie wir denn in den Flieger gekommen sind, beantwortete Iwi mit: „samt allem Gepäck und pünktlich!“ Respekt!!!!

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Istanbul
Abgezockt und mit Geld beworfen ... das türkische Ying...
ina-san - 12. Jan, 18:12
Adeus Cabo Verde
An unserem letzten Morgen in unserer Jugendherberge...
ina-san - 14. Apr, 11:25
Kapverden Teil 3
Ankunft 20 Minuten später am Cargo-Container, dem Treffpunkt...
ina-san - 8. Apr, 13:26
Kapverden
Cabo Verde 06:00 Uhr ... der Wecker ist unerbittlich....
ina-san - 7. Apr, 14:08
Kapverden Teil 2
DivinArt! Am dritten Abend hatten wir uns wirklich...
ina-san - 7. Apr, 14:04

Twitter

@InaSentner

Suche

 

Status

Online seit 4698 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 12. Jan, 18:12

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren