Jamaika 2011
1. Kingston
„Wolln wir tauschen?“ fragte ich Iwi, als wir nach bereits fast 20 Stunden Flug von Hamburg und mehr als 5 Stunden Aufenthalt in Miami in den Flieger kamen. Wir hatten zu lange am Ocean Drive gesessen und so nur noch Einzelplätze zwischen anderen Passagieren für den Flug von Miami nach Kingston erhalten. Auf mich wartete ein Mittelplatz zwischen einem ca. 2 Meter großen und ziemlich stämmigem jamaikanischen Farmer und einem amerikanischen Inspektor mit HSV-Baseball Cap.
Doch die kleine Kröte grinste und steuerte auf ihren Platz neben einem dürren amerikanischen Jüngling zu.
Ich ergab mich in mein Schicksal, atmete so tief wie möglich aus und quetschte mich zwischen die Herren. Während ich der Evolution zur sprunghaften Weiterentwicklung verhelfen wollte und auf Hautatmung machte, stellten sich die Herrschaften als ziemlich unterhaltsam heraus. Der Inspektor war häufiger in Hamburg, da er für den Germanischen Lloyd die Sicherheitstechnik an Bord von Containerschiffen überprüfte. Daher auch das fragwürdige Andenken auf seinem Kopf. Vom Farmer auf Fußball angesprochen, meinte er, er würde seinem Job gemäß nicht mehr spielen, sondern nur noch inspizieren. Ich verzieh ihm den Fauxpas in Sachen HSV. Allerdings nicht, ohne ihn noch einem kurzen Fan-Crashkurs zu St. Pauli zu unterziehen.
Nach über einer Stunde im Flieger bekamen wir endlich die Starterlaubnis, während ich mich bereits mit den beiden mehr als verbunden fühlte - und das eigentlich auch in physischer Sicht, die ich hier nicht weiter erläutern will. Nur soviel, bei der Hitze und der Enge befürchtete ich, sie müssen uns nach der Landung aus den Sitzen schneiden und die siamesischen Drillinge in einer mehrstündigen OP trennen.
Doch als ich mich irgend wie aus dem Sitz befreit hatte und Iwi sah, wusste ich, das Leben ist doch gerecht! Ihr hämischer Blick zu meinen anfänglichen Sitztausch-Avancen wurde mit einem missionierenden Sitznachbarn belohnt. Das blasse Bürschchen hatte das bayrische Girl während der gesamten Zeit davon überzeugen wollen, dass ausschließlich seine Interpretation des christlichen Glaubens von Belang sei und unbedingt in die Welt getragen werden müsste, auch wenn er bisher nichts als sein kleines amerikanisches Dorf gesehen hatte. Diese Ungewissheit und möglichen Strapazen seien eine Prüfung des Herrn, die er gern in Kauf nehmen würde ...
Offenkundig wurde der Kerl wirklich von einer höheren Macht beschützt. Hätte Iwi die Plätze getauscht und ich hätte die missionarischen Gehversuche des irren Provinzlers ertragen müssen, währe seine unversehrte Ankunft am Ziel nicht wirklich sicher gewesen.
2. Strawberry Hills
Endlich angekommen griffen wir das erst beste Taxi und fuhren zum bereits für zwei Nächte gebuchten Strawberry Hills, dem ehemaligen Geschäftssitz des legendären Labels Island Records, bei dem auch Marley unter Vertrag war. Die Nummer sprengte zwar bereits am Anfang der Reise das geplante Budget, aber hallo?! Island Records, Marley .... Das war Kulturrecherche und Bildung kostet nun mal!
Die Serpentinen hoch in die Berge bekam Iwi allerdings nur im Traum mit. Sie schlief fest und ich glaubte zu träumen, als wir über die Schlaglochpiste an steilen ungesicherten Abhängen vorbei holperten und unser Fahrer das alles mit einem Tempo meisterte, das vermuten ließ, dass er tief religiös war und seinem Schutzengel häufig huldigte... Aber man hatte uns ausführlich bezüglich der Fahrbahnverhältnisse gewarnt. Wie die Zustandsbeschreibungen der Straßen hielt das Hotel seine Versprechungen, allerdings in sehr angenehmer Weise. Ich war über unseren kleinen Bungalow völlig hingerissen.

Er hing quasi am Hang und bot von seinem Balkon eine grandiose Aussicht auf Kingston. Das wollte ich mit einem Red Stripe genießen. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne Patois gemacht. Mit Dialekten habe ich schon in Deutschland so meine Schwierigkeiten und nun sollte meine Bierbestellung an „Jaaa maaaan“ scheitern. „IWI!!!!!!!!!“ Das einzige was ich verstand, war, dass die Bar angeblich zu hätte und so blieb mir nur die Geheimwaffe: Wir schlugen mit bayrischem Englisch zurück!
„Sie bringen dir dein Bier her!“ ... „Was? Das wars, was sie mir die ganze Zeit erzählen wollten?!“ „Ja“ ... Hmmm, egal, Hauptsache ich bekam mein Bier.
„Sag mal, ist dein Bett auch gewärmt?“ Iwi setzte zum Sprung an - jamaikanische Betten sind äußerst hochbeinig - und erklärte locker: „Jup!“ Es gab eine mit Timer gesteuerte Bettheizung! Absolut sinnvoll bei der für Jamaikaner unsäglichen nächtlichen Kälte von nur ca. 21 - 22 Grad hier in den Blue Montains ...


„Wolln wir tauschen?“ fragte ich Iwi, als wir nach bereits fast 20 Stunden Flug von Hamburg und mehr als 5 Stunden Aufenthalt in Miami in den Flieger kamen. Wir hatten zu lange am Ocean Drive gesessen und so nur noch Einzelplätze zwischen anderen Passagieren für den Flug von Miami nach Kingston erhalten. Auf mich wartete ein Mittelplatz zwischen einem ca. 2 Meter großen und ziemlich stämmigem jamaikanischen Farmer und einem amerikanischen Inspektor mit HSV-Baseball Cap.
Doch die kleine Kröte grinste und steuerte auf ihren Platz neben einem dürren amerikanischen Jüngling zu.
Ich ergab mich in mein Schicksal, atmete so tief wie möglich aus und quetschte mich zwischen die Herren. Während ich der Evolution zur sprunghaften Weiterentwicklung verhelfen wollte und auf Hautatmung machte, stellten sich die Herrschaften als ziemlich unterhaltsam heraus. Der Inspektor war häufiger in Hamburg, da er für den Germanischen Lloyd die Sicherheitstechnik an Bord von Containerschiffen überprüfte. Daher auch das fragwürdige Andenken auf seinem Kopf. Vom Farmer auf Fußball angesprochen, meinte er, er würde seinem Job gemäß nicht mehr spielen, sondern nur noch inspizieren. Ich verzieh ihm den Fauxpas in Sachen HSV. Allerdings nicht, ohne ihn noch einem kurzen Fan-Crashkurs zu St. Pauli zu unterziehen.
Nach über einer Stunde im Flieger bekamen wir endlich die Starterlaubnis, während ich mich bereits mit den beiden mehr als verbunden fühlte - und das eigentlich auch in physischer Sicht, die ich hier nicht weiter erläutern will. Nur soviel, bei der Hitze und der Enge befürchtete ich, sie müssen uns nach der Landung aus den Sitzen schneiden und die siamesischen Drillinge in einer mehrstündigen OP trennen.
Doch als ich mich irgend wie aus dem Sitz befreit hatte und Iwi sah, wusste ich, das Leben ist doch gerecht! Ihr hämischer Blick zu meinen anfänglichen Sitztausch-Avancen wurde mit einem missionierenden Sitznachbarn belohnt. Das blasse Bürschchen hatte das bayrische Girl während der gesamten Zeit davon überzeugen wollen, dass ausschließlich seine Interpretation des christlichen Glaubens von Belang sei und unbedingt in die Welt getragen werden müsste, auch wenn er bisher nichts als sein kleines amerikanisches Dorf gesehen hatte. Diese Ungewissheit und möglichen Strapazen seien eine Prüfung des Herrn, die er gern in Kauf nehmen würde ...
Offenkundig wurde der Kerl wirklich von einer höheren Macht beschützt. Hätte Iwi die Plätze getauscht und ich hätte die missionarischen Gehversuche des irren Provinzlers ertragen müssen, währe seine unversehrte Ankunft am Ziel nicht wirklich sicher gewesen.
2. Strawberry Hills
Endlich angekommen griffen wir das erst beste Taxi und fuhren zum bereits für zwei Nächte gebuchten Strawberry Hills, dem ehemaligen Geschäftssitz des legendären Labels Island Records, bei dem auch Marley unter Vertrag war. Die Nummer sprengte zwar bereits am Anfang der Reise das geplante Budget, aber hallo?! Island Records, Marley .... Das war Kulturrecherche und Bildung kostet nun mal!
Die Serpentinen hoch in die Berge bekam Iwi allerdings nur im Traum mit. Sie schlief fest und ich glaubte zu träumen, als wir über die Schlaglochpiste an steilen ungesicherten Abhängen vorbei holperten und unser Fahrer das alles mit einem Tempo meisterte, das vermuten ließ, dass er tief religiös war und seinem Schutzengel häufig huldigte... Aber man hatte uns ausführlich bezüglich der Fahrbahnverhältnisse gewarnt. Wie die Zustandsbeschreibungen der Straßen hielt das Hotel seine Versprechungen, allerdings in sehr angenehmer Weise. Ich war über unseren kleinen Bungalow völlig hingerissen.

Er hing quasi am Hang und bot von seinem Balkon eine grandiose Aussicht auf Kingston. Das wollte ich mit einem Red Stripe genießen. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne Patois gemacht. Mit Dialekten habe ich schon in Deutschland so meine Schwierigkeiten und nun sollte meine Bierbestellung an „Jaaa maaaan“ scheitern. „IWI!!!!!!!!!“ Das einzige was ich verstand, war, dass die Bar angeblich zu hätte und so blieb mir nur die Geheimwaffe: Wir schlugen mit bayrischem Englisch zurück!
„Sie bringen dir dein Bier her!“ ... „Was? Das wars, was sie mir die ganze Zeit erzählen wollten?!“ „Ja“ ... Hmmm, egal, Hauptsache ich bekam mein Bier.
„Sag mal, ist dein Bett auch gewärmt?“ Iwi setzte zum Sprung an - jamaikanische Betten sind äußerst hochbeinig - und erklärte locker: „Jup!“ Es gab eine mit Timer gesteuerte Bettheizung! Absolut sinnvoll bei der für Jamaikaner unsäglichen nächtlichen Kälte von nur ca. 21 - 22 Grad hier in den Blue Montains ...


ina-san - 17. Mär, 20:19




