Sonntag, 17. März 2013

Jamaika 2011 Teil 2

3. Abfahrt zum Jake`s

Nachdem wir uns erst einmal im absoluten Luxus des Strawberry Hills mit Überlaufpool, aus dem man ebenfalls einen passablen Blick auf Kingston und das Meer genießen konnte, akklimatisiert hatten, wagten wir das Abenteuer Mietwagen. Doch als der Mensch des Verleihers 1.500 Euro Kaution abrief und mit uns jede und wirklich jede Schramme zählte, wurde mir langsam Angst.
Auch zum Thema Mietwagen gab es unzählige Reisewarnungen. Angefangen mit: überhaupt nicht auf eigene Faust zu reisen, schon gar nicht mit dem Wagen, wegen der Straßenverhältnisse, der Kriminalität, des Linksverkehrs und diverser anderer Horrorszenarien. Sollte man dann schon entgegen aller Warnungen trotzdem ein Fahrzeug mieten, dürfte man auf gar keinen Fall von den Hauptstraßen abweichen, um Gottes Willen nicht bei Nacht fahren und alle möglichen Versicherungen abschließen. All das im Hinterkopf mieteten wir noch ein einheimisches Navigationsgerät mit dem bezeichnenden Namen “never lost“, obwohl ich wie immer mit allen möglichen Karten ausgerüstet war. Dafür war dann eine weitere Kaution fällig und mir kam der Gedanke, dass eine Taxirundfahrt durchaus preiswerter wäre, wenn auch nur irgend eine Schramme hinzukäme oder „never lost“ verloren ginge ...

Da nur Iwi den internationalen Führerschein vorweisen konnte, der angeblich Voraussetzung für das Fahren auf Jamaika war, startete sie als erste Fahrerin in Richtung Treasure Beach an der westlichen Südküste. Wir hatten gelesen, dass das Jakes eine schöne Bungalowanlage an super Stränden sei.

Die erste Hürde, die wir meistern mussten, hieß „never lost“. Selbsterklärend war dem Ding jedenfalls fremd. Kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehend, hatten wir die Navi dann doch noch bezwungen und programmiert. Doch das blöde Ding rächte sich umgehend und führte uns bereits kurz nach Spanish Town von der Autobahn auf die Landstraße. Gut, man sollte zwar die Hauptstraßen nicht verlassen, aber so sahen wir halt auch was von den Ortschaften, die wir passierten und wie eine Hauptstraße sah es noch irgend wie aus. Aber wir hatten die Rechnung nicht mit „never lost“ gemacht. Hinter der nächsten größeren Ortschaft gings ab auf Seitenstraßen. Nachdem dann der Asphalt aufhörte, wurde uns doch mulmig. Nicht dass die Straßen vorher durchgehend asphaltiert waren - vielleicht einmal vor 50 Jahren - aber jetzt gab es nur noch Schotterpiste und wir beide sahen unsere Kaution wie die kleinen Schottersteinchen davon fliegen ... Und dann wurde die Schotter-piste zu einem buckligen Ackerweg mit tiefen Regenfurchen und Löchern, gesäumt von Gebüsch.

Offroad

Teilweise waren es nur noch zwei Spuren durchs Gebüsch. Das letzte Haus hatten wir vor Kilometern hinter uns gelassen, doch „never lost“ zeigt unbeirrt weiter den Weg in die Prärie. Ich versuchte inzwischen mit der Karte herauszufinden, wo wir überhaupt waren, als Iwi abrupt stehen blieb und an der nächsten Kreuzung verweigerte. Vor uns lag ein abschüssiger Dreckstreifen, der die Straße sein sollte und so mit Löchern übersät war, dass auch ich davon überzeugt war, dass wir unser Auto da nie durchbekommen. Und ich habe in meiner Vergangenheit schon so einige Buckelpisten überstanden.
Also probten wir den Aufstand gegen „never lost“ und fuhren geradeaus, statt wie befohlen rechts abzubiegen. An jeder Kreuzung - äh, wohl eher Abzweigung auf andere Wald- und Ackerwege - versuchte das Biest uns zurück auf den unpassierbaren Pfad zu bringen, doch wir fuhren nach Gefühl weiter geradeaus. Wir hatten inzwischen einen ungefähren Verdacht, dank der Karte, wo wir waren und folgten einer dicken Pipeline am Rande des Weges. Denn Pipeline bedeutet Industrie und damit auch Anfahrtswege... Wir hatten uns nicht getäuscht, der Weg war inzwischen sogar teilweise mit Flecken von Beton befestigt, die wir aber aufgrund der dicken Löcher darin zu umschiffen versuchten. Und dann gab es tatsächlich das erste Schild nach einer gefühlten Ewigkeit. Beim Näherkommen lasen wir: „Bump“... Gut, Löcher gab es hier viele, aber eines mit Ansage? Wir wurden vorsichtig und tatsächlich handelte es sich um eine so unmögliche Auswaschung, dass wir diese nur schräg ein- und ausfahrend meistern konnten, ohne aufzusetzen. Dadurch landeten wir allerdings im Gebüsch am Wegesrand, was uns die ersten Schrammen bescherte. Bump´s kamen nämlich noch einige. Und dann wurde es auch noch dunkel...

Iwi war nach der langen Fahrt und den Strapazen völlig durch, klammerte sich aber eisern am Lenkrad fest und wollte nicht tauschen. Also navigierte ich mit und gegen „never lost“ weiter und so gegen 22:00 Uhr standen wir tatsächlich vorm Jake´s!

4. Treasure Beach

Dann die schlechte Nachricht: Es gab erst übermorgen wieder Zimmer! Nach kurzer Fassungslosigkeit sahen wir weitere Hotels neben dem Jake´s. Das nächste hatte dann Gott sei Dank Zimmer, warnte uns aber vor morgigem Lärm bis in die Nacht, da man eine Hochzeitsgesellschaft erwarten würde.
Großartig! Eine jamaikanische Hochzeit mit Reggae und Tanz bis in die Nacht? Das wollten wir sehen und buchten ein Zimmer in der oberen Etage. Die hatte eine Art Gemeinschaftsterrasse, so dass man auf den Pool- und morgigen Party-Bereich schauen konnte. Das Zimmer war muffig und das Hotel nicht wirklich Klasse, aber egal, wir wollten die Feier.

Am nächsten Tag vertrieben wir uns die Zeit mit einem kurzen Strandcheck und einem Ausflug nach Alligator Pond. Die Ortschaft war ziemlich verschlafen und wenig beeindruckend. Man hätte zwar Ausflüge auf dem Fluss zu Krokodilen buchen können, doch uns war nach Hochzeit. Also fuhren wir zurück und inspizierten interessiert die Vorbereitungen. Der Pool war inzwischen mit riesigen Boxen, langen Tischen und Bänken gesäumt und die ersten Gäste kamen. Wir verdrückten uns auf die Terrasse, mussten aber enttäuscht feststellen, dass der offensichtlich beauftragte Wedding Planner es schaffte, jede aufkeimende Stimmung im Ansatz zu ersticken. So wie auch nur mehr als einer der Gäste anfing, sich im Takt der Musik zu bewegen, traktierte sie die Gäste und das Hochzeitspaar mit den unmöglichsten Bräuchen, Spielen und Treue-Testfragen. Eine langweiligere Veranstaltung habe ich noch nie gesehen. Da half nur eins, wir plünderten die Biervorräte des Hotels und gingen früh schlafen.

Einzug im Jake´s! Endlich bekamen wir ein Zimmer in einem schönen Bungalow mit Blick aufs Meer. Meine explizite Nachfrage, ob der Blick aufs Meer auch einer sei, wurde mit Unverständnis honoriert. Doch die Frage war nicht unberechtigt. Im Nachbarhotel bot man uns ein Zimmer mit Meerblick, bei dem man den Hals aus einem Seitenfenster heraus verrenken musste, um überhaupt Meer sehen zu können. Doch das Jake´s war klasse. Wir hatten sogar eine kleine Terrasse für uns mit zwei Liegen und Blick aufs Wasser. Es gab einen kleinen Restaurant- und Barbereich, etliche Freizeitangebote bis hin zum Mountainbiken ... alles in allem sehr schön!

Treasure-Beach

Hinter dem abgezäunten Bereich der Anlage des Jake´s lag eine kleine süße Bucht mit ein paar Booten und einer Strandbar nach meinem Geschmack!

Beach-Bar

Sie sah aus, wie aus Treibholz zusammengezimmert, schilfgedeckt und Anlaufpunkt von ein paar Einheimischen und Touristen gleichermaßen. Viele Touristen gab es allerdings nicht, so dass es ein hübscher entspannter Mix aus netten Leuten war.

Es gab noch zwei kleinere Hotels mit Bar am Strand, doch die Holzhütte bot alles, was man brauchte. Hier hingen wir entspannt ab und buchten auch direkt bei einem der anwesenden Piraten eine Bootstour für den nächsten Tag. Wir hatten von einer weiteren Treibholzbar gelesen, der sagenumwobenen Pelikan-Bar, die mitten im Meer liegen sollte.

.......

Achja, mal so als Einschub: Jamaika ist übrigens auch ein hübsches Plätzchen für Leute die kaum englisch sprechen. Gefühlt jeder Dritte Jamaikaner spricht deutsch!! Das mussten wir am Abend in der Bar vom Jake´s erschreckt feststellen. Also Vorsicht Lästerbacken!! Nachdem wir uns bei der Anfahrt zum Jake´s bereits sämtlichen Verhaltensanweisungen widersetzt hatten, mussten nun auch noch ein paar Vorurteile über Bord. Angebaggert wurde wir hier weniger als in Deutschland. Und wenn, war es eher lustig. So taumelte in Jake´s Bar ein älterer Angestellter - der betrunken in der Bar schlief - nach jedem kurzen Aufwachen auf die blonde Iwi zu und röhrte mit tiefem Bass: „I´m in a daaancing mood!“ während Madam davon stürmte und er verdutzt versuchte sein Opfer auszumachen, darüber aber wieder einschlief. Auch Drogen hat man uns nirgends angeboten. Tatsächlich haben so einige Einheimische neben uns alles mögliche geraucht. Aber auf unsere Nachfrage, was es denn mit dem Klischee so auf sich habe, erläuterte man uns, wir würden nicht so aussehen, als wollten wir was. Die haben uns allen ernstes in der Strandbar gefragt, ob es uns stört, wenn sie neben uns einen Rauchen! Also alles wie immer: Auf das Auftreten kommt es an. Die Herrschaften dort haben Manieren, wie viele anderen Menschen auch auf der Erde und Ausnahmen und Verrückte gibt es auch in Deutschland. Amen.

.......

Am nächsten Morgen waren wir jedenfalls pünktlich am Strand und wurden in einem Fischerboot mit weiteren vier Touri´s verstaut, die der Pirat irgend wo aufgegriffen hatte. Dann gings los. Gott sei Dank hatten die Jungs einen ziemlich kräftigen Motor und wir stürmten derart aggressiv über die Wellen, dass mir vor Angst nicht mal mehr schlecht wurde. Ich werde super schnell seekrank und das selbst in einem gelben Gummiboot auf der spiegelglatten Ostsee, wie ein Freund feststellen musste. Wie damals zurück schwimmen ging hier eher schlecht, daher zog ich die aggressive Fahrweise einer Dümpeltour vor. Begleitet von Delfinen erreichten wir die Bar, die tatsächlich auf einem kleinen Riff vor der Küste erbaut war, in ca. 50 Minuten.

Pelikan-Bar

Das runde moderige Gerippe war ebenfalls schilfgedeckt und war bereits mit Touristen und zahlreichen anderen Kuriositäten vollgestopft. Die Bar war ziemlich frequentiert und bot neben geschnitzten und gestrickten Mitbringseln auch minimale warme Küche. Wollte man vor Ort essen, wurde der Fisch bereits vom Boot auf dem Weg zur Bar bestellt. Bei Ankunft wartete der dann fertig zubereitet in der Bar. Da ich allerdings wenig Lust auf gekochten Fisch und rumsitzen mit anderen Touristen hatte, verbrachte ich fast die gesamte Zeit außerhalb der Bar auf dem Steg. Das Wetter war prima und im kristallklaren Wasser zeigte sich alles mögliche Getier, bis hin zu einem ganz passablen Rochen.

Pelikan-Bar-1

Alles in allem war der Bootsausflug so cool, dass wir am nächsten Tag noch mal auf Delfin-Sightseeing gehen wollten. Unsere Anfrage beantwortete der Pirat vom Vortag mit: „wenn ihr keinen Gummi-Delfin auf die Tour mitbringt, sehen wir keine!“ So! Da verrauchte das letzte Klischee, an dass ich mich noch geklammert hatte. Nicht mal übers Ohr wollten uns die Jungs hauen! Was ist bloß aus den alten Piratenkodizes geworden?

Also fuhren wir zu Lovers Leap, einer hohen Klippe mit einer dramatischen Liebeslegende. Es war ein hübscher Ausflug, nur der Leuchtturm war wegen Baumaßnahmen geschlossen. Also entspannten wir den Rest des Tages an unserem Strand. Morgen sollte es nach Norden in Richtung Mo-Bay gehen und dann von dort direkt nach Ocho Rios. Wir wollten nicht wirklich nach Negril und Mo-Bay, da man in den Touristenzentren wenig vom wirklichen Leben mitbekommt und wahrscheinlich die Klischees wieder aufbaut, also fragten wir nach einer hübschen Empfehlung für Ochi im Jake´s. Die Bedienung des Restaurants winkte ab und erklärte, dass morgen ca. 5.000 Kreuzfahrttouristen über Ochi herfallen würden, weil man Luxusliner XY erwarten würde und so disponierten wir um. Um so viel wie möglich von der Insel zu sehen, fuhren wir zunächst wie geplant nach Nord-Westen, eben die Route Richtung Mo-Bay und dann an der Nordküste nach Osten an Ochi vorbei und weiter ... bis vielleicht zur Blauen Lagune.

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